Eröffnung Wasserstofftankstelle
Startschuss für Freiburgs Wasserstoff-Zukunft: Stadt Freiburg, ASF und badenova eröffnen Wasserstofftankstelle am Eichelbuck
Einmalig in Deutschland: Der gesamte kommunale Abfallsammel-Fuhrpark – 22 Fahrzeuge – läuft mit Brennstoffzellen
Auftakt für lokale Produktion von grünem Wasserstoff: PV-Anlage auf der ehemaligen Mülldeponie und Elektrolyseur sorgen bald für die saubere Energie
Emissionsfreie Abfallsammlung in Freiburg ab 2026
OB Martin Horn: „Wir sind auf dem richtigen Weg"
Eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2035 – das ist das ambitionierte Ziel der Stadt. Die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) plant schon 2030 mit einer emissionsfreien kommunalen Abfallsammlung. Ein wichtiges Puzzleteil auf diesem Weg ist die Wasserstofftechnologie. Bereits seit 2021 hat die ASF drei Brennstoffzellenfahrzeuge im Einsatz und viele positive Erfahrungen gesammelt. Jetzt kommen sechs weitere hinzu.
Oberbürgermeister Martin Horn ist vom Tempo der Umstellung beeindruckt: „Wir sind auf dem richtigen Weg in die Zukunft. Unsere Stadt hat aktuell, gemessen an ihrer Größe, den größten Fuhrpark alternativ angetriebener Müllautos in ganz Deutschland. Damit sind wir bundesweiter Vorreiter. Das soll ein weiterer Beitrag werden, um unsere Ziele zur Verringerung von Treibhausgasemissionen zu erreichen. Unsere neuen Fahrzeuge sind auf Freiburgs Straßen unterwegs, ohne schädliche Abgase und Motorlärm auszustoßen. Betankt werden sollen sie zukünftig mit Wasserstoff, der mithilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird. Das ist ambitioniert und herausfordernd zugleich, aber wir brauchen Mut für neue emissionsarme Lösungen. Ein herzlicher Dank geht für die tatkräftige Unterstützung an Bund und Land."
Schon ab Juni erweitern die neuen Abfallsammelfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb die Fahrzeugflotte der ASF und sammeln Bioabfall, Altpapier, Leichtverpackungen (gelber Sack), Restabfall und Sperrmüll. Durch den Ersatz der neun dieselbetriebenen Fahrzeuge können jährlich bis zu 270 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Damit werden 41 Prozent des kommunalen Fuhrparks alternativ angetrieben. Mit dieser Quote steht Freiburg im bundesweiten Vergleich der Entsorgungsunternehmen an erster Stelle.
„Wir freuen uns sehr, diese sechs weiteren Brennstoffzellenfahrzeuge im Rahmen der „Woche des Wasserstoffs" vorstellen zu können. Aktuell gehen wir mit großen Schritten auf unser Ziel einer emissionsfreien Mobilität zu", erklärt Michael Broglin, Geschäftsführer der ASF. „Entsprechende Investitionszuschüsse aus Bundes- und Landesmitteln vorausgesetzt, werden wir bis Ende 2023 insgesamt 14 mit Brennstoffzellenantrieb ausgestattete Sammelfahrzeuge auf Freiburgs Straßen einsetzen."
Wie klassische Elektrofahrzeuge werden Brennstoffzellenfahrzeuge durch einen Elektromotor und eine Batterie angetrieben. Damit sind die neuen Fahrzeuge nicht nur emissionsfrei, sondern auch deutlich leiser als ihr konventionelles Pendant. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen können Brennstoffzellenfahrzeuge ihren Strom auch während der Fahrt durch die Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff selbst produzieren. Das verlängert die mögliche Fahrzeit und erhöht die Flexibilität. Das eingebaute Batteriesystem ermöglicht zudem die Speicherung rückgewonnener Bremsenergie und eine Teilaufladung der Batterie.
Das Unternehmen Kirchhoff Ecotec, von dem die Fahrzeuge gekauft wurden, hat eine zuverlässige und alltagstaugliche Technik für Brennstoffzellenfahrzeuge entwickelt. Für die volle Nutzung der Vorteile dieser alternativen Antriebstechnologie ist jedoch die Betankung mit Wasserstoff, der mithilfe erneuerbarer Energien erzeugt wurde, von besonderer Bedeutung. Deshalb plant die ASF, eine eigene Produktionsanlage für Wasserstoff aus erneuerbaren Energien auf dem Gelände der ehemaligen Deponie Eichelbuck zu errichten. Eine Kombination aus PV-Anlage, Elektrolyseur und Betankungsanlage soll ab 2025 die Betankung von mindestens 50 kommunalen und gewerblichen Abfallsammelfahrzeugen sicherstellen.
Die Investitionssumme für das Gesamtprojekt beträgt insgesamt rund 8 Mio. Euro. Davon wurden bisher 4,25 Mio. Euro an Fördermitteln bereitgestellt: 3 Mio. Euro stammen aus dem Zukunftsfonds der Stadt Freiburg, 600 Tsd. Euro vom Land Baden-Württemberg, 500 Tsd. Euro von der Innovations- und Technologieförderungsgesellschaft (itg) über das trinationale Projekt „Hydrogen Valley Südbaden" und 150 Tsd. Euro vom badenova Innovationsfonds.
Für die Beteiligten hat das Vorhaben, sowohl individuell betrachtet als auch eingebettet in die Gesamtstrategie zur Energiewende, einen Leuchtturmcharakter, da viele Schritte in dieser Kombination erstmalig umgesetzt werden und deren Zusammenspiel den Weg für eine Wasserstoff-Zukunft ebnen. badenova und ASF zeigen sich dabei als Treiber des Wasserstoffhochlaufs in der Region.
Gemeinsam die Energiewende voranbringen
Oberbürgermeister Martin Horn zeigt sich erfreut über die Projektentwicklung: „Sowohl die Stadt Freiburg als auch badenova und ASF wollen bis 2035 ihre Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren. Dafür brauchen wir Mut, Pioniergeist und ganz konkrete Projekte. Doch unsere ambitionierten Ziele können wir nur erreichen, wenn wir Hand in Hand arbeiten und Angebot und Nachfrage synchron entwickeln, gerade bei neuen Themen wie Wasserstoff. Dieses Leuchtturmprojekt vereint vieles, was für unseren Freiburger Spirit und Innovation steht. Wir haben die komplette Abfallsammel-Flotte der ASF auf Brennstoffzellen umgestellt und bauen an einer ehemaligen Deponie PV-Anlage und Elektrolyseur, die Strom aus erneuerbaren Energien bereitstellen. So kann die dringend notwendige Transformation gelingen."
„Wasserstoff aus erneuerbaren Energien wird ein zentraler Baustein der Energiewende sein, da viele Energiebedarfe nur damit von fossilen Energieträgern unabhängig gemacht werden können", davon ist auch Freiburgs Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit überzeugt. „Dass wir nun den Startschuss dafür gegeben haben, diesen auch hier lokal zu produzieren, stimmt mich zuversichtlich." Die Verzahnung mit der Umstellung des kommunalen Fuhrparks für die Abfallentsorgung auf emissionsarme Antriebe, so Buchheit weiter, verleihe dem Projekt einen ganzheitlichen und besonders fortschrittlichen Charakter.
Michael Broglin, Geschäftsführer der ASF und der ASF Solar, betont: „Seit jeher verfolgen wir das Ziel, Kreisläufe zu schließen und den Verbrauch von Rohstoffen zu verringern. Das gelingt uns bei vielen der von uns gesammelten Wertstoffe wie Bioabfällen, Altpapier und Altglas bereits sehr gut. Umso mehr freue ich mich, dass wir diesen Grundsatz der Kreislaufwirtschaft zukünftig auch auf unsere Transportleistungen übertragen können: Müllfahrzeuge, die nicht mehr mit fossilen Energieträgern, sondern mit Sonnenenergie und Wasserstoff betrieben werden – das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu deutlich reduzierten Treibhausgasemissionen."
badenova-Vorstand Dirk Sattur ergänzt: „Das Projekt hat für badenova Pilotcharakter: Es ist unser erstes konkretes Beispiel für die Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien in Freiburg und wegweisend für weitere dezentrale Projekte. Wir sind einer der aktivsten Treiber der regionalen Wasserstoffwirtschaft – sowohl bei diesem Projekt als auch mit unserem Engagement im H₂-Kernnetz. Darauf sind wir stolz."
„Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie durch die enge Zusammenarbeit von Kommunen, regionalen Unternehmen und dem Land Baden-Württemberg eine Veränderung der Energie- und Mobilitätsstrukturen konkret und erfolgreich umgesetzt werden kann", unterstreicht Dieter Sommerhalter, Geschäftsführer von der itg, und verweist auf die internationale Relevanz. „Der Anspruch, ein regionales Wasserstoff-Schaufenster als Modell für Europa zu etablieren, ist hier nicht nur ein Leitgedanke – sondern wird aktiv und sichtbar verwirklicht."
Bestandteile des Projekts
Am östlichen Hang der Deponie wird noch im Jahr 2025 ein neuer Solarpark mit rund 2,4 ha Fläche und einer Leistung von etwa 2,6 MWp entstehen. Etwa 40 Prozent (2,5 GWh) des dort erzeugten Stroms werden ab 2026 die bis dahin neu errichtete Elektrolyseanlage versorgen, die jährlich bis zu 140 t Wasserstoff produzieren kann. Zudem wird die Elektrolyseanlage über einen Mix aus regionalem und zugekauftem Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben: ca. 30 Prozent (1,6 GWh) stammen aus regionalem Windstrom und weitere 30 Prozent (1,9 GWh) aus zugekauftem Strom aus erneuerbaren Quellen. Bis zur Inbetriebnahme der eigenen Elektrolyseanlage wird die Tankstelle mit zugeliefertem Wasserstoff eines regionalen Gaslieferanten versorgt. Je nach Preissituation kann der Wasserstoff, insbesondere im Sommer, auch aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt sein.
Für ASF Solar und badenova wird es die erste eigene H₂-Erzeugungsanlage sein. Zugleich handelt es sich um die erste großtechnische Produktionsstätte dieser Art auf Freiburgs Gemarkung.
Mit dem Wasserstoff wird vorrangig der kommunale Abfallentsorgungsfuhrpark der ASF versorgt, der seit Anfang 2025 vollständig auf Brennstoffzellenfahrzeuge umgestellt ist. Aktuell sind insgesamt 22 Fahrzeuge unterwegs, die Bioabfall, Papier, Gelbe Säcke, Restmüll und Sperrmüll mit emissionsarmen Antrieben einsammeln.
Die neue Wasserstofftankstelle auf dem Eichelbuck ergänzt die bestehende Tank-Anlage in Zähringen und stellt damit eine wichtige Redundanz für die zuverlässige Versorgung der kommunalen Fahrzeugflotte sicher. Die Anlage ist so dimensioniert, dass der bestehende Fuhrpark für die Abfallsammlung versorgt werden kann und auch ein perspektivischer Ausbau der ASF-Flotte in den kommenden Jahren zuverlässig abgedeckt ist.
Förderungswürdiges Projekt
Die Kombination der verschiedenen Bausteine – die erste Produktionsstätte für Wasserstoff in Freiburg, eine zusätzliche H₂-Tankstelle im Stadtgebiet und das Ganze gespeist durch vor Ort erzeugten Strom aus erneuerbaren Energiequellen – machten das Projekt schon früh zu einem absoluten Vorzeigeprojekt für die verschiedenen Stakeholder. Dies ist nur einer der Gründe, warum badenova als Projektpartnerin der ASF bereits im Jahr 2022 in das Konzept investierte und eine Machbarkeitsstudie durch das Fraunhofer ISE und badenovaWÄRMEPLUS mit 150.000 Euro aus ihrem Innovationsfonds förderte.
Die frühe Unterstützung half maßgeblich bei der Planung und Konzeptionierung, um das Projekt nicht nur mit der nun geplanten monetären und zeitlichen Effizienz umzusetzen, sondern auch bereits alle relevanten Projektpartner frühzeitig einzubinden und für das Vorhaben zu gewinnen. Die Umsetzung des Wasserstoffprojekts wird auch durch das Land Baden-Württemberg über das Förderprogramm „Klimaschutz und Wertschöpfung durch Wasserstoff (KWH2)" und durch den Zukunftsfonds der Stadt Freiburg gefördert. Die Wasserstofftankstelle wird zudem von der Infrastruktur-Trägergesellschaft (itg) unterstützt.
Die itg mit Sitz in Freiburg im Breisgau ist ein Tochterunternehmen der badenova sowie des Elektrizitätswerks Mittelbaden. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, gezielt in innovative und vernetzende Infrastruktur- und Kommunikationstechnologien zu investieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung, Unterstützung und Umsetzung des Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft, um zukunftsfähige Energielösungen aktiv mitzugestalten.
Die nächsten Schritte im Projektverlauf
Mit der Fertigstellung der Wasserstofftankstelle können die brennstoffzellenbetriebenen Abfallsammelfahrzeuge der ASF ab sofort auf dem Eichelbuck betankt werden. Die vollständige Versorgung der Flotte mit vor Ort erzeugtem Wasserstoff ist ab 2026 vorgesehen. Im Laufe des ersten Quartals 2026 wird die ASF Solar die dafür notwendige Infrastruktur in Betrieb nehmen: die Photovoltaikanlage, den Elektrolyseur, den Pufferspeicher sowie einen Wasserstoff-Verdichter inklusive der zugehörigen technischen Peripherie.
Der Wasserstoffverdichter der Tankstelle komprimiert den Wasserstoff auf über 800 bar, was eine effiziente Betankung der Fahrzeugflotte in nur 15 Minuten ermöglicht. Je nach Sammeltour ist eine Betankung ein- bis zweimal pro Woche erforderlich. Die Inbetriebnahme der gesamten Anlage inklusive der Betankung der Fahrzeuge mit dem vor Ort erzeugten Wasserstoff ist für Anfang des zweiten Quartals 2026 anvisiert.
Zur ASF Solar GmbH
Die ASF Solar GmbH & Co. KG ist eine gemeinsame Tochter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) GmbH (51 Prozent) und der badenovaWÄRMEPLUS (49 Prozent). Zweck dieser Gesellschaft ist der Betrieb der gemeinsam errichteten Solaranlagen auf dem Dach des Betriebshofes St. Gabriel der ASF (366 KWp) sowie auf der Fläche der ehemaligen Freiburger Deponie Eichelbuck. Hier produziert Freiburgs größtes Solarkraftwerk Strom für etwa 1200 Haushalte. Die Anlage erstreckt sich über eine Fläche von mehr als drei Fußballfeldern und verfügt über eine Leistung von 3 MWp.


